Hilfe für Lokomassama e.V.

Projekte in Sierra Leone / Westafrika

Bau und Betreuung von Trinkwasserbrunnen und Gesundheitsstationen.

Hilfe für Lokomassama e.V. ist im Vereinsregister Nr. 5224 beim Amtsgericht Bonn als gemeinnützig anerkannt.

Jahr 2019

Brief von Manfred Stede (HfL-Projektkoordinator in Sierra Leone) April 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

in ein paar Tagen geht meine Zeit hier in Sierra Leone zu Ende. Wir haben dieses Jahr unsere Projektarbeit schwerpunktmäßig – dem Wahlspruch „Wasser ist Leben“ folgend – auf die Trinkwasserbrunnen gerichtet. Wir haben 2 neue Brunnen gebaut und mehrere bestehende Brunnen rehabilitiert.

Aus Dankbarkeit und als Anerkennung für die langjährige finanzielle Unterstützung unserer Projektarbeit im Chiefdom LOKOMASSAMA haben wir einen der beiden Brunnen Ihnen und Ihrer Stiftung „FuturAfrica“ mit einer Plakette gewidmet.

Der neue Brunnen wurde auf dem Gelände und zur Nutzung durch die „Lokomasama Catholic Secondary School“ gebaut. An der Schule sind über 1000 Schülerinnen und Schüler eingetragen. Über 30 Lehrer sind eingesetzt. Die meisten wohnen mit ihrer Familie auf dem Gelände. Der Brunnen ist 13,5 m tief.

Bereits im Jahre 1991 wurde mit dem Baubeginn der Schule ein Brunnen von HfL e.V. gebaut. Es war damals der zweite Brunnen des erst begonnenen HfL-Brunnenbau-Projekts. Dieser alte Brunnen war etwas abseits auch von den Unterkünften der Lehrer und deren Familien gebaut worden. Die Umgebung des Brunnens hatte sich mit den Jahren abgesenkt und in ein Sumpfgebiet verwandelt. Die Qualität des gepumpten Wassers hatte sich verschlechtert und es konnte nicht mehr als Trinkwasser verwendet werden.

Meist Schülerinnen wurden in den letzten Jahren dazu eingeteilt, zu Unterrichtsbeginn in Eimern und anderen Behältnissen von Brunnen auf ihrem Schulweg Trinkwasser mit zur Schule zu bringen. Oft ein mühsames Geschäft.

Ihr
Manfred Stede

Jahr 2018

Brief von Manfred Stede (HfL-Projektkoordinator in Sierra Leone) 2018

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder und Freunde des Fördervereins „Hilfe für Lokomassama (HfL) e.V.“,

am 26.4.2018 endet nach fast 3 Monaten mein Aufenthalt in SIERRA LEONE und ich werde nach Deutschland zurückkehren.
Ich möchte Ihnen daher noch vor meiner Abreise einen kurzen Überblick über die in dieser Zeit durchgeführten Projekte geben.
Wir haben alles geschafft, was wir geplant hatten. Zu Beginn hatten wir noch Bedenken, dass die anstehenden Wahlen in SIERRA LEONE unsere Arbeit negativ beeinflussen könnten. Bei der ersten Wahl am 7.3.2018 wurden die Mitglieder des Parlaments und einige lokale Mandatsträger gewählt.
Keiner der zahlreichen Kandidaten für das Amt des Staatspräsidenten erhielt bei dieser Wahl die erforderliche Mehrheit der Stimmen von 55%.
So kam es dann am 31.3.2018 zu einer Stichwahl zwischen dem Kandidaten der bisherigen Regierungspartei und dem Kandidaten der größten Oppositionspartei. Letzterer entschied schließlich die Wahl für sich. Der Wechsel in der Regierung war perfekt. Beide Wahlgänge waren zumindest in unserem Umfeld friedlich verlaufen.

Wir haben im Dorf DARESSALAM eine Dorfschule (primary school) mit 4 Klassenzimmern und einem Lehrerzimmer und einen zugehörigen Trinkwasserbrunnen gebaut. Es ist mittlerweile die 4. Schule, die wir in LOKOMASSAMA gebaut haben.
Weitere 4 Trinkwasserbrunnen haben wir in abgelegenen Dörfern gebaut.Im Anhang sollen Ihnen einige ausgesuchte Fotos einen Eindruck von den durchgeführten Arbeiten geben. Es ist festzustellen, dass sich unsere Arbeiter ihre Grundfähigkeiten ohne entsprechende Ausbildung angeeignet und bei ihrem Einsatz in unseren Projekten laufend verbessert haben.

So bald als möglich werde ich unsere Arbeit etwas ausführlicher auf unserer homepage (www.hilfe-fuer-lokomassama.de) beschreiben.

Mit freundlichen Grüßen noch aus SIERRA LEONE / Westafrika

Ihr
Manfred Stede

Jahr 2016

Erste Eindrücke von der Projektreise 2016 von Manfred Stede (HfL-Projektkoordinator in Sierra Leone)

Erste Eindrücke von der Projektreise 2016

Nachdem 2015 EBOLA meine Reise verhindert hatte, bin ich seit dem 23.1.2016 wieder in Sierra Leone. In Freetown erinnern noch hier und da große Plakate an die EBOLA-Epidemie. Man spricht hier in den besseren Wohngebieten gar nicht und auf Nachfragen auf der Straße nur noch selten darüber. Bei meiner ersten Überfahrt vor ein paar Tagen mit der Autofähre nach LOKOMASSAMA wurde ich an der Zielstation TAGRIN an einem Checkpoint angehalten. Ein Soldat kam auf mich zu und hielt mir ein pistolenförmiges Temperatur-Messgerät an die Schläfe und zeigte mir dann stolz die 36,7°C. Ich durfte passieren. Zur gleichen Zeit gingen Dutzende Einheimische ohne Check durch die Kontrolle. Auch unser Projektgebiet LOKOMASSAMA war stark von EBOLA betroffen. Es gab viele Tote. Lange Zeit bestand Ausgangssperre und weite Teile waren abgesperrt.

Die Checkpoints waren an den Hauptstraßen errichtet, ein reger Fußgängerverkehr erfolgte jedoch ein paar hundert Meter daneben durch den Busch.

Die ersten paar Tage habe ich genutzt, um mich wieder in Freetown einzurichten und zu organisieren. Dazu gehört insbesondere die Überprüfung unseres Projekt-Kfz, das in den nächsten Wochen mit dem Anhänger unser zuverlässiges Transportmittel sein wird. Wie bisher üblich hatte ich kurz nach meiner Ankunft die drei “seniors” unserer Partnerorganisation CORD zu einer Besprechung nach Freetown kommen lassen.
Ich habe ihnen meine Projekt-Planungen genannt, wir haben darüber diskutiert und die Vorgehensweisen festgelegt. So konnten sie dann schon vor meinem ersten Eintreffen in LOKOMASSAMA bereits einige Vorbereitungen treffen.

Wir werden während meines jetzigen Aufenthalts auf zwei Gebieten tätig:
Brunnenbau und Bau einer Gesundheitsstation.

Brunnenbau: Mit diesem Projekt haben wir 1990 angefangen. Den Brunnen Nr. 1 haben wir in unserem Basisort PETIFU JUNCTION gebaut. Und er funktioniert heute noch. Zwischenzeitlich wurde er mal vertieft und die Pumpe wurde von unserem Pumpenmechaniker repariert. Jedenfalls liefert er bis heute für viele Menschen im Umkreis sauberes und kühles Trinkwasser.

Wir haben inzwischen festgelegt, wo neue Brunnen gebaut und welche bestehenden Brunnen vorrangig “bearbeitet” werden müssen. Als Beispiel nenne ich den Brunnen, den wir im März 2012 auf dem Anwesen des Paramount Chiefs, des einflussreichen traditionellen Führers im Chiefdom LOKOMASSAMA, gebaut hatten. Dort finden regelmäßig Versammlungen und auch lokale Gerichtsverhandlungen statt, zu denen aus dem gesamten Chiefdom die Menschen zusammen kommen. Und die wissen dann bei den vorherrschend hohen Lufttemperaturen das saubere und kühle Trinkwasser aus “unserem” Brunnen zu schätzen.
Bei diesem Brunnen sind inzwischen die Betonringe in den weichen Untergrund abgesackt, sodass die auf dem Brunnendeckel installierte Handpumpe nur in unbequemer Körperhaltung bedient werden kann. Die Reparatur ist “einfach”: die Pumpe und die Steigrohre werden ausgebaut, der Brunnendeckel wird abgehoben, ein zusätzlicher Betonring wird eingesetzt, der Brunnendeckel wird wieder aufgelegt und die Handpumpe und die Steigrohre werden wieder eingebaut.
Bei dieser “einfachen” Reparatur wird “schweres” Gerät eingesetzt, das auf dem Anhänger herantransportiert werden muss: Dreibein, Kettenzug, Leiterschiene und Transportwagen. Unsere lokalen Brunnenbauer (“well diggers”) könnten das auch alleine mit Muskelkraft schaffen, denn sie verfügen über “Bärenkräfte”. Aber aus Sicherheitsgründen verzichte ich auf ihren Muskeleinsatz.

Ab und zu wird fälschlicherweise beschrieben, dass wir Brunnen bohren. Richtig ist, dass sich unsere Jungs per Muskelkraft mit Spitzhacke und Schaufel in den Untergrund hinuntergraben. Die Bodenschichten sind von der Beschaffenheit und auch farblich sehr unterschiedlich. Es beginnt oft bei lockerem grauen Erdreich, geht dann in rotbraunen Lateritboden über, der schon mit der Spitzhacke bearbeitet werden muss. In größeren Tiefen macht dann oft feuchter schwarzer Lehmboden den “well diggers” zu schaffen. Stoßen sie schließlich auf gelben Sand, dann ist das Grundwasser meist bald erreicht.
Unser tiefster Brunnen ist 21 m tief. Die Durchschnittstiefe bei den bisher gegrabenen mehr als 133 Brunnen liegt bei ca. 12 m. Die gelockerten Bodenschichten werden dann in Eimern am dicken Seil aus dem Brunnenschacht geholt. Oft beteiligen sich ganze Schulklassen daran. Für sie ist es eine Abwechslung im sonst tristen Dorfleben und der Unterricht fällt dadurch aus.

Gesundheitsstation: Durch einen glücklichen Zufall wurde eine Dame aus meiner Heimatstadt Köln auf unsere Projektarbeit in Sierra Leone aufmerksam. Bei mehreren Gesprächen und mit aussagekräftigen Fotos konnte ich sie von unserer sinnvollen und nachhaltigen Arbeit überzeugen. Sie war dann bereit, eine komplette Gesundheitsstation – wie wir sie bereits in 6 Dörfern gebaut haben – zu finanzieren.

Im Dorf MAPILA haben wir bereits mit den Arbeiten begonnen. Ohne diesen Auftrag hätten wir den nun eingesetzten 10 zusätzlichen Arbeitern (7 Maurer, 2 Helfer, 1 Dachdecker) keine Verdienstmöglichkeit und damit auch keine finanzielle Unterstützung für die oft große Zahl an zu versorgenden Familienangehörigen geben können.

Verfasser: M. Stede, Projektkoordinator in Sierra Leone